Gedanken zum Ramadān

Piše | 9. maj 2021 | Kolumne

Bevor das Corona-Virus unseren Alltag fest im Griff hatte, waren wir weitestgehend in der Lage uns das Leben im Allgemeinen und im Ramadān im Speziellen so einzuteilen, wie wir es selbst für gut und richtig befanden. Im Alltag endete dies z.B. oft in schnellen Gebeten in Umkleideräumen bekannter Shopping-Zentren oder in einem Reihengebet aus drei bis fünf Teilen vor dem Schlafen gehen. Im Ramadān für die Meisten entweder in einem nicht endenden Kochmarathon, dem ein Putzmarathon folgte oder in einem Kampf zwischen Arbeit, Einkauf, Tarāwih-Turnen und viel zu kurzen Nächten, deren Krönung ein Häubchen aus schlechtem Gewissen war, weil man die Zeit nicht einmal Ansatzweise so genutzt hatte, wie man es wollte. Vom Sollen ganz zu schweigen.
Im Paradox des Wunsches so viele Menschen wie möglich im Ramadān zu bewirten und dem Wunsch so vielen Einladungen wie möglich nachzukommen, offenbart sich letztendlich das ganze Leid dieser Dunyā, welches lediglich durch gestellte Bayram/Īd-Selfies mit der Familie, die man für Unbekannte im Internet schoss, vertieft werden konnte.

Da die, durch das Corona-Virus herbeigeführten, Umstände uns von vielen vermeintlich unentbehrlichen Verpflichtungen und Riten befreit haben ist vom Ramadān, wie wir ihn kennen und pflegen, nicht mehr viel übrig geblieben. Er war, nun schon zum zweiten Mal, in einer Form verfügbar, die uns unbekannt, vielleicht sogar unangenehm erscheinen mag.

Warum ist das so?

Vielleicht ist es deswegen, weil der Ramadān in dieser Form seinem Ursprung und seiner Funktion am nächsten ist und uns dazu zwingt ihn anzusehen und zu reflektieren. Weil wir endlich die Zeit hätten, die wir bräuchten um das zu tun, was unser Herr von uns verlangt: unseren Imān zu stärken. Denn der wichtigste Sinn des Fastens, ist nicht, wie so oft lapidar behauptet wird, Empathie mit den Hungrigen zu erfahren, denn Hunger kann man auch außerhalb des Ramadāns nachempfinden, das weiß jeder, der in einer unbekannten Stadt nach einem Halāl-Restaurant sucht. Es geht vielmehr darum unseren Iman zu stärken, indem wir unseren Körper lehren, dass es unser Geist ist, der die Zügel in der Hand hat. Es ist die Zeit in der wir uns neue Gewohnheiten wie z. B. (rechtzeitiges) Beten, weniger Essen, den Verzicht auf Suchtmittel, unsere Augen und Zungen zu hüten etc. antrainieren sollen, um diese dann – im besten Fall – für den Rest des Jahres beizubehalten.

In der Psychologie gibt es verschiedene Theorien zur Entstehung von Gewohnheiten die behaupten, dass ein Mensch eine Gewohnheit in einem bestimmten Zeitraum erlernen und verinnerlichen kann, wobei die genannten Zeiträume zwischen zwei Wochen und sechsundsechzig Tagen variieren. Wenn wir uns also im Ramadān angewöhnen (rechtzeitig) zu beten, ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir es auch außerhalb des Ramadāns tun werden, relativ groß. Wenn wir uns abgewöhnen Dinge zu tun, die uns außerhalb des Ramadāns normal vorkommen, weil wir sie im Ramadān als unangemessen empfinden, überdenken wir automatisch unsere Alltagshandlungen außerhalb des Ramadān und passen diese – wieder im besten Fall – unserem Leben nach dem Fastenmonat an.

Wir umgeben uns – auch außerhalb des Ramadān – oft nur deshalb mit anderen Menschen, Dingen und Verpflichtungen, um nicht mit uns selbst alleine sein zu müssen. Das würde nämlich darauf hinauslaufen, dass wir nachdenken und uns fragen wo wir stehen. Die Einsamkeit würde uns dazu treiben über unser Handeln nachzudenken und uns Dinge einzugestehen, die sonst nur die Frühjahrsdepression zum Vorschein bringt. Wir wären letztendlich gezwungen uns einzugestehen, dass die Entfernung zwischen unserem „Ist-Zustand“ zu unserem „Soll-Zustand“ nicht so leicht zu überbrücken ist.

Oftmals behaupten wir, dass der Prophet (s.a.w.s.) unser Vorbild ist und wir danach streben uns so zu verhalten wie er, um durch dieses Verhalten unseren Charakter und Imān zu stärken. Betrachten wir das Verhalten des Propheten (s.a.w.s.) im Ramadān, können wir klar und deutlich sehen, wie weit wir uns heute von ihm entfernt haben. Während er (s.a.w.s.) in einer einsamen Höhle über die Welt nachdachte und nach Möglichkeiten und Ideen suchte seine Gesellschaft zu verbessern, sind wir entweder mit Schlafen, Essen oder Sozialisieren beschäftigt. Während er versuchte durch die Reflexion über seine Umwelt, seine Mitmenschen und alles, was ihn betraf, zu verstehen und Sinn des Lebens zu erfassen, sind wir – arrogant und eingebildet wie wir sind – der Meinung, dass wir uns keine großen Sorgen machen müssen – wir haben ja gefastet!

Wir dürfen das Corona-Virus und seine Folgen sind nicht nur als Hürde oder ein Hindernis sehen, sondern vielmehr als Chance für uns den Segen des Fastenmonats neu für uns zu entdecken, indem wir die Zeit, die wir haben dazu nutzen uns mit dem zu beschäftigen, was uns die Welt und alles was auf ihr ist erklärt und uns lehrt sie und damit auch uns selbst zu verstehen.

„Der Monat Ramadan ist es, in dem der Qur’ān als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist und als klarer Beweis der Rechtleitung und der Unterscheidung […]“ (Al-Baqara, 185)

Nehmen wir die Lehren dieser zwei Ausnahmen mit in die Zeit nach dem Ramadan, sowohl in die ersten sechs Monate in denen wir den Vergangenen vermissen, als auch in die darauffolgenden sechs Monate, in denen wir uns auf den Kommenden freuen sollten. Die Reflexion der Entbehrungen der vergangenen zwei Jahre hat das Potential die Qualität sowohl unseres Fastens, als auch unseres Imāns und des Lebens außerhalb des Ramadān deutlich zu verbessern, da wir endlich in der Lage sein werden zu sehen was es ist, das uns Allah (s.w.t.), und seiner heiligen Schrift näher bringt. Das Wissen, das wir daraus erlangen können ist, wie oben im Abschnitt aus dem Qur’ān zu entnehmen, etwas das es uns in der Zukunft erleichtern kann zwischen richtig und falsch zu unterscheiden.

Autor Selveta Bibić
reflect: izazovi savremenog društva

Selveta Bibić

Zadnji članci

Duh slobodi kreće

Sloboda je, doista, najveći božiji dar. Čovjek je, prema naučavanju religije odgovorno biće isključivo radi toga što mu je na volju prepušteno da bude od onih koji vjeruju ili od onih koji ne žele da vjeruju.

Šta je nama Šerijat? II

Ranije smo konstatirali da šerijat označava pravu stazu ili otvoreni put koji vodi do izvora ili izvorišta i utočišta svega, tj. Uzvišenog Boga i Njegove blizine.

Šta je nama Šerijat?

Sjećam se, ima tome, možda, deset ili petnaest godina, kada me je jedan moj dobar prijatelj susreo i postavio mi jedno stručno pitanje.

Cookie Consent sa Real Cookie Banner